Rhapsody in school

„Klassische Musik gehört immer weniger zu den Dingen, die ein Kind in seiner Familie ganz selbstverständlich mitbekommt. Es entsteht Schwellenangst von Kindern und Jugendlichen vor klassischer Musik, mit der Folge, dass Konzert- und Opernhäuser sich um die Hörer der Zukunft sorgen müssen.“ (Konzertpianist Lars Vogt) Durch direkten Kontakt zu namhaften Künstlern und Künstlerinnen, die ihre Begeisterung für die Musik vermitteln können, sollen Kinder und Jugendliche an klassische Musik herangeführt werden. Das geschieht am besten dort, wo die Kinder unter Gleichaltrigen sind - in Schulen und Kindergärten!

Genau hier setzt das Projekt „Rhapsody in school“ an: Musiker und Musikerinnen, die sich zu Konzerten in einem Ort aufhalten, gehen in die dortigen Kindergärten oder allgemein bildenden Schulen und spielen und sprechen mit den Kindern und Jugendlichen im Unterricht oder bei Konzertproben. Eine musikalische Beteiligung der Kinder ist ausdrücklich erwünscht. Die Musiker sind ehrenamtlich tätig.

Zielgruppe des Projektes „Rhapsody in school“ sind alle Schulen und Kindergärten im Bundesgebiet, das Organisationsbüro ist in Köln, wo sich auch der Sitz des Fördervereins „Musiker Hautnah“ befindet. Pro Besuch werden in der Regel zwei Klassen mit jeweils 30 Schülern in Kontakt mit Künstlern gebracht. Somit kommen bei 100 Besuchen, die Leistung des Jahres 2006, ca. 6000 Schüler in den Genuss einer Begegnung mit Weltklassekünstlern!

Unsere Erfahrung nach einem Jahr lehrt, dass die beteiligten Musiker, die auf den großen Bühnen der Welt spielen, so viel Ausstrahlung, Kompetenz und Einfühlungsvermögen haben, dass sie ihre eigene Begeisterung für die klassische Musik gut vermitteln können - sei es durch ihre überdurchschnittliche Begabung im Umgang mit ihrem Instrument, sei es durch Erfahrung in der Begegnung mit anderen Menschen. Ein Unterrichtsbesuch eines Weltklasse-Musikers wird den Kindern immer in Erinnerung bleiben, und sollte dokumentiert werden in Form von Schülerberichten für die Schülerzeitung, Fotos, evtl. Ton- und Videoaufnahmen. Viele Schüler dürfen auf dem besonderen Instrument spielen und stellen fest, dass es zwar viel Geduld und Arbeit kostet, es zu erlernen, aber dass es auch ungemein Spaß macht. Bei einigen wird der Funke überspringen - vielleicht wird auch der eine oder andere dazu animiert, auch in klassische Konzerte zu gehen oder Radio/CDs mit klassischer Musik zu hören - vielleicht mit ‚seinem’ Künstler, den er nun persönlich kennt! Auf diesem Wege soll die ästhetische Bildung der Kinder und Jugendlichen nachhaltig gefördert und ein Weg - der des eigenen Musizierens - kennen gelernt und angeregt werden, der vielleicht ein ganzes Leben bereichern kann.

Als Folge der überalterten Konzertbesucher gibt es in letzter Zeit viele Maßnahmen der verschiedenen Orchester, Veranstalter und Institutionen, die mit diversen Mitteln, wie öffentliche Generalproben, Konzertproben für Kinder, moderierte Konzerte versuchen, Kinder und Jugendliche in Konzerte zu locken - manche mit großem Erfolg. Unser Projekt will den umgekehrten Weg gehen und die Kinder dort abholen und ihnen dort begegnen, wo sie sich täglich aufhalten: in der Schule. „Rhapsody in school“ ist das einzige bestehende Projekt, das klassische Künstler der Weltelite mit ihren Instrumenten zu Kindern schickt, um mit ihnen in Schulen, und demnächst hoffentlich auch in verstärkt Kindergärten, in Kommunikation zu treten. Die Musiker dienen nicht nur als Vorbild auf musikalischem Gebiet, sondern auch in der persönlichen Entwicklung, die - spielerisch - immer wieder zeigen soll, dass man mit eigenem Einsatz, gesundem Ehrgeiz, Geduld und Leidenschaft für seine Idee und sein Hobby, vielleicht sogar späteren Beruf, viel erreichen kann.

Da die Schulbesuche meistens in den Orten stattfinden, in denen die Künstler gastieren, besteht für die Schüler die Möglichkeit, nach dem persönlichen Kennenlernen ‚ihren Star’ im Konzert zu erleben. Die Resonanz der Schulbesuche spiegelt sich dann auch in der Frequenz der Konzertbesuche wider. Einige Kinder werden nach den eindrucksvollen Besuchen der Musiker auch Instrumental- unterricht haben wollen. Es wird zu untersuchen sein, inwieweit das Interesse an privatem oder staatlichem Musikunterricht zunimmt. Die Presse ist grundsätzlich sehr aufgeschlossen gegenüber innovativen Projekten, und so kann man mit ihrer Hilfe diese Highlights des Musikunterrichts bekannter machen. Eine umfangreiche Dokumentation ist vorhanden und kann gerne gezeigt werden. Es liegt auch ein Film des Hessischen Rundfunks vor, der die weltbekannte Geigerin und Musikprofessorin Julia Fischer während eines "Rhapsody in school" Projektes zeigt. Die Bilder der begeisterten Kinder sprechen für sich. Es gilt, den bestehenden Musikunterricht durch dieses Projekt attraktiver und interessanter zu machen und auch Kinder klassischen Musikern unverkrampfter gegenüber treten zu lassen, und somit Schwellenangst vor dieser Musikrichtung abzubauen. Man sollte nach ein paar Jahren in Umfragen eine messbare Verbesserung der Begeisterung für die klassische Musik feststellen können…

Das Projekt „Rhapsody in school“ gehört bereits jetzt zum Netzwerk „Kinder zum Olymp“ der Kulturstiftung der Länder, es besteht somit ein reger Gedanken- und Ideenaustausch, der durch halbjährliche Treffen sowie gemeinsame Veranstaltungen neue Impulse bekommt. Es ist angedacht, mit ähnlichen Projekten anderer Bundesländer zu kooperieren, was z.B. schon mit „Die musikalische Grundschule“, ein Projekt in Hessen, gelungen ist. Auch die Zusammenarbeit mit vielen Kultureinrichtungen wie Konzerthallen und Opernhäusern wird erweitert, um Kinder und Jugendliche nach den Schulbesuchen kostengünstiger ins Konzert oder Theater zu bringen.

Bislang wurden deutschlandweit bereits ungefähr 100 Veranstaltungen (Stand Januar 2007) dieser Art in Schulen durchgeführt. Über 60 Musiker haben inzwischen zugesagt, mitzumachen und waren schon erfolgreich tätig: Erreicht wurden dabei bereits über 6.000 Schülerinnen und Schüler. Das Ziel ist es, innerhalb der nächsten 5 Jahre einen Anteil von 5% der rund 40.000 Schulen aller Schultypen sowie Kindergärten in Deutschland zu erreichen. Dazu gehört u. a. auch, dass Schulen mehrfach besucht werden, um ein echtes Programm dauerhaft zu installieren.

Neben Frau von Imhoff, die „Rhapsody in school“ aufgebaut hat, benötigt das Projekt dringend weitere Mitarbeiter, die sich auf die eigentlichen Planungsdetailaufgaben wie Kommunikation mit den Schulen und lokalen Helfern, konzentrieren können. Somit wird die Projektleitung sich mehr auf die langfristigen Aspekte des Projektes wie die deutschlandweite Akquisition und Betreuung der Künstlerinnen und Künstler, die Kommunikation mit den Medien sowie Vernetzung mit anderen Projekten und Institutionen konzentrieren können. Die Aufteilung der Projektarbeit ermöglicht auch die Installation von lokalen Programmen, die - auch aus Sponsorensicht - den Wirkungsgrad der Fördermittel wesentlich erhöhen.

Finanziert wurde die Organisation und Durchführung seit September 2005 durch eine Anschubförderung der PWC Stiftung „Jugend-Bildung-Kultur.“

Um die Langfristigkeit und Nachhaltigkeit des Projekts mit Hilfe eines entsprechenden Unterstützernetzwerks zu sichern, hat sich - auch auf Anregung des bekannten Konzertpianisten Lars Vogt - vor kurzem eine Reihe Musikbegeisterter entschlossen, den eingetragenen Verein „Musiker Hautnah“ zu gründen. Der Förderverein wird im Laufe der nächsten Wochen auch „offiziell“ seine Geschäfte aufnehmen können, da zum gegenwärtigen Zeitpunkt (Mitte Februar 2007) die Unterschriften beim Notar erfolgen, und der Anerkennung der Gemeinnützigkeit nach derzeitigem Kenntnisstand nichts im Wege steht. Die Akquisition von Sponsoren erfolgt durch den Vorstand. Für die Organisation und Durchführung der Veranstaltungen werden vom Verein keine Ressourcen aufgebaut, sondern ausschließlich auf externe Einrichtungen, wie spezialisierte Freiberufler, sowie ehrenamtliche lokale Helfer, zurückgegriffen. Der Verein besitzt keine Eigenmittel.

Annahmegemäß wird von Seiten der Künstler kein Honorar erhoben. Es ist jedoch geplant, mittelfristig einen Reisekostenzuschuss in Höhe von 50 Euro pauschal pro Auftritt zu zahlen, wenn dies die Schulfördervereine nicht übernehmen können.

Für weitere Fragen stehen wir Ihnen jederzeit gerne zur Verfügung.